Carinthischer Sommer
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Yoshi Oida

lebt als Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller in Paris. Er studierte in seiner Heimat Japan und schloß an der Universität in Keio sein Magisterstudium ab. 1968 empfahl ihn Jean-Louis Barrault dem Regisseur Peter Brook als Schauspieler. Ihre erste gemeinsame Arbeit war die experimentelle Produktion von Shakespeares The Storm in Brooks Bearbeitung im Londoner Round House. Als Schauspieler trat Yoshi Oida in mehreren Inszenierungen von Brook auf, so u. a. in Orghast von Ted Hughes (Iran, 1971), Conference of Birds (Die Konferenz der Vögel) von John Heilfern (New York, 1973), The IKS nach einem Buch von Colin Turnbul (Paris, 1975), Mahabharata in der Bearbeitung von Jean-Claude Carrière (Festival in Avignon und internationale Tournee, 1985), The Man Who Mistook His Wife for a Hat (Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte) nach einem Buch von Oliver Sacks (Frankreich und internationale Tournee, 1993), dem Theater-Experiment Qui est la? (Wer ist da?; Frankreich und europäische Tournee, 1995), Tierno Bokar (2004 in Deutschland, Spanien, Brasilien und Frankreich). Zu den weiteren Regisseuren, mit denen er als Schauspieler arbeitete, gehören Jossy Wieler in The Ghost Stories at Yotsuya (Gespenstergeschichten aus Yotsuya) von Tsuruya Nanboku (Tokio, 2005) und Simon Mc Burny (Shun-Kin von Junichiro Tanizaki, 2008).
Yoshi Oida spielte in mehreren Filmen: Der bekannteste ist Mahabharata in der Regie von Peter Brook (1988). Der Film The Pillow Book (Das Traumbuch) des Regisseurs Peter Greenaway wurde beim Festival in Cannes im Jahre 1996 aufgeführt, The Eyes of Asia (Die Augen Asiens) in der Regie von J. M. Grilo nahm am Wettbewerb in Locarno 1996 teil, Felice, felice in der Regie von Peter Delpeut beim Festival in Rotterdam 1998. Im Jahre 1999 spielte Oida im Film The Autumn Flowers (Die Herbstblumen; Regie Shunshuke Ikehata), der beim Festival in Bénodet (Frankreich) den Grand Prix erhielt, und für den er beim Mainchi-Wettbewerb für die männliche Nebenrolle ausgezeichnet wurde.
Wichtig ist für Yoshi Oida die seinen Beruf reflektierende literarische Tätigkeit: Die auf Englisch geschriebenen Bücher An Actor Adrift (Ein verlorener Schauspieler; 1992), The Invisible Actor (Der unsichtbare Schauspieler; 1998) und The Actor's Tricks (Die Tricks eines Schauspielers; 2008) wurden mehrfach übersetzt.
Seit 1975 widmet sich Yoshi Oida auch der Theaterregie. Seine erste Regiearbeit war das japanische Ritual-Schauspiel Hannya Shingyo von Shogo Ota und Takuro Endo; das Werk wurde auch in Paris, New York, Amsterdam und auf einer Tournee in Kanada gespielt. Die japanische Kultur ist für Yoshi Oida bleibende Inspirationsquelle, z. B. für Amé Tsuchi nach dem Text von Mutso Takahashi nach einem japanischen Mythos (Paris und internationale Tournee, 1978), Interrogations – die Worte der Meister Zen, Köan (Festival in Avignon und internationale Tournee, 1978), Über den Berg kommen (Deutschland sowie europäische und indische Tournee, 1983), Fiore di Riso, Fiori di Fango nach den japanischen Texten des Kyogen-Theaters (Italien, 1989), The Hunting Gun (Der Jagdgewehr) nach dem Roman von Yasushi Inoue (Deutschland, Schweiz, 1994) The Woman in the Dune (Die Frau im Sand) nach dem Roman von Kobo Abe (Deutschland, Schweiz, 1995), Madame de Sade von Yukio Mishima (Deutschland, 1996). 1997 präsentierte Oida in Berlin szenische Variationen nach den Texten des Nō- bzw. Kyōgen-Theaters und des modernen Theaters von Kukio Mishima unter dem Titel Han-Jo aufgeführt, im Jahre 1982 dann The Tibetan Book of Dead (Das tibetanische Totenbuch) in der Bearbeitung von Isabelle Famchon in Paris und Rennes; in einer revidierten Fassung dann 1986 unter dem Titel The Guide of the Other World (Ein Führer durch die andere Welt) in Italien und bei einer europäischen Tournee.
Yoshi Oida hat auch bei vielen Werken europäischer Autoren Regie geführt, so in eigener Bühnenausstattung z. B. La divina commedia (Die Göttliche Komödie) von Dante (Italien, 1982), Endgame (Endspiel) von Samuel Beckett (Niederlande, 1997), Molly Sweeney von Brian Friel (Deutschland, 1997), Le malentendu (Das Mißverständnis) von Albert Camus (Deutschland, 1999), Draum om hausten von Jon Fosse (unter dem Titel Traum im Herbst, Österreich, 2001). Mehrere dramatische Werke hat er als Tanzstücke bearbeitet; für seine Tanzadaptierung von Jean Genets Les bonnes (Die Zofen; Stuttgart sowie Deutschland- und Europatournee, 2001) wurde er im Jahre 2002 in London mit dem Preis Time Out für die beste Inszenierung des Jahres ausgezeichnet.
Yoshi Oida betreute auch mehrere musikalische Werke szenisch, darunter Gustav Mahlers Das Lied von der Erde in der Bearbeitung von Arnold Schönberg (Frankreich, Luxemburg, 2002) und Schuberts Die Winterreise (Deutschland, Mexiko, 2007). Er führte auch Regie bei mehreren Opern,
u. a. Curlew River von Benjamin Britten (Frankreich und europäische Tournee, 1998, USA-Tournee, 2003), Le rossignol (Die Nachtigall) von Igor Strawinsky (Frankreich, 2000), The village of the Wolf Club (Das Dorf der Wölfe) von Guo Wenjing (Frankreich, 2000), Alex Langer von Giovanni Verrando nach dem Libretto von Vito Ugo Calabretta (Italien, 2003), La Frontière (Die Grenze) von Philippe Manoury nach dem Libretto von Daniela Langer (Paris und französische Tournee, 2003), Verdis Nabucco (Italien, Finnland und Belgien, 2006) sowie Death in Venice (Tod in Venedig) von Benjamin Britten beim Festival Aldeburgh und den Bregenzer Festspielen, 2007. Dieses Werk wurde unter seiner Regie 2009 auch in Lyon und Toronto aufgeführt.
Yoshi Oida wurde in Frankreich mit den Ehrungen eines Chevalier de l'Ordre des Arts et Lettres (1992) und eines Officier de l'Ordre des Arts et Lettres (2007) ausgezeichnet.