KRITIKEN "DIE GEBURT DES TÄUFERS"
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Kronen Zeitung
Klangvolle Geburt des Täufers
Faszinierende Musik und Optik füllten am Donnerstag die Ossiacher Stiftskirche: Das neue sakrale Opernwerk „Die Geburt des Täufers" von Jyrki Linjama begeisterte in kongenialer Regie von Yoshi Oida mit guten Stimmen und engagierter Orchesterleistung. Ein starker Auftakt des Carinthischen Sommers, der heuer Finnland zum Festivalregenten wählte.
Zum Schluss hält ein Teil des Publikums brennende Kerzen in Händen – Johannes der Täufer ward geboren, die Gnade Gottes erfahren, zwei Wunder geschehen: Eine Unfruchtbare, Elisabeth, und ihre junge Verwandte Maria, die Jungfrau, waren schwanger geworden und schrieben somit die Bibel fort . . .
Die Ereignisse bis zur Geburt von Johannes, dem späteren Täufer, Sohn der Elisabeth und des Zacharias, finden sich im Libretto von Matti Kontio, Jyrki Linjama und Jussi Tapola nach der Lutherschen Bibelübersetzung mitunter etwas mühsam operntauglich gemacht. Umso mehr treibt die aus vielen Inspirationsquellen – vom Cantus firmus bis zu zeitgenössischen Formen – zu einem dichten Klangstrom gefasste Komposition das Geschehen voran: hochdramatisch und expressiv, in spannender Instrumentierung mit Streichern, Horn, Schlagwerk und Cembalo, mitunter an Filmmusik – auch wegen des „Universum"-Videos über dem Altar – erinnernd.
Mitglieder der Wiener Kammerphilharmonie meistern unter Claudius Traunfellner diese gar nicht leichte Geburt mit Engagement und Konzentration. Sehr gut gewählt die Sänger: Ursula Langmayrs Sopran verleiht „Maria", Susannah Haberfelds Mezzo „Elisabeth" Stimme; beweglich (auch im Spiel) und tenoral bestechend klar „Gabriel" Daniel Johannsen, tragend der Bariton von „Zacharias" Daniel Schmutzhard.
Das Gesamtkunstwerk, die Intensität des Opernerlebnisses, entstand aber erst durch die sensible Regie von Theatermagier Yoshi Oida, der mit Tom Schenk (Bühne, Licht) und Richard Hudson (Kostüme) in seiner aus Stilmitteln japanischer Bühnenkünste und der Ästhetik von Peter Brook geformten Sprache die Bibelgeschichte vom christlichen zum universellen Ereignis erhob. Andrea Hein
Kleine Zeitung
Starker Spiegel der Musikgeschichte
Mit der Uraufführung der als Auftragswerk entstandenen Kirchenoper "Die Geburt des Täufers" des Finnen Jyrki Linjama in der Stiftskirche Ossiach begann der 41. "Carinthische Sommer".
Bußpsalmen in dunklen Farben klingen an, wenn Elisabeth und Zacharias ihre Kinderlosigkeit beklagen. Aber sobald der Erzengel Gabriel erscheint und die Geburt des Sohnes Johannes verkündet, verändert sich die musikalische Sprache: Die Farben hellen sich strahlend auf, Lobgesänge ertönen.
Nicht nur in dieser Anfangsszene hat Jyrki Linjama in seiner ersten Kirchenoper "Die Geburt des Täufers" eine ungemein subtile, in die Tiefe gehende und sehr persönliche Musiksprache gefunden. Der 48-jährige Finne lässt den zweiten Akt als einen Spiegel der Musikgeschichte, von der gregorianischen Einstimmigkeit, von Monotonie und Naturklängen bis zu hin komplexesten Klanggebilden erleben und erzeugt starke, magische, atmosphärische Stimmungen.
Das Auftragswerk des Kärntner Festivals, dem die neun fabelhaften Mitglieder der Wiener Kammerphilharmonie unter dem souveränen Claudius Traunfellner ein stimmungsvolles Fundament geben, ordnet den Figuren je nach ihrem Charakter bestimmte Instrumente zu: der Maria das reine Cembalo, der Elisabeth die sinnlich getönte Bratsche, dem Gabriel den transzendentalen Klang des Horns.
Alle Rollen sind exzellent besetzt: Die Musiksprache der Maria ist kunstvoll stilisiert und mit extremen Intervallen ausgestattet. Ursula Langmayr bewältigt sie mit ihrem glasklaren, höhensicheren Sopran. Susannah Haberfeld ist der impulsive Sinnesmensch Elisabeth, die die ihr zugeordneten fast bluesartigen Gesänge mit dunklem Mezzo singt. Daniel Johannsen singt den zwischen den Welten wandelnden Erzengel Gabriel mit hellem Tenor und sicheren Höhen. Daniel Schmutzhard ist ein kraftvoll kerniger Theologe Zacharias. Die szenische Umsetzung der biblischen Geschichte wurde Yoshi Oida anvertraut. Der japanische Theatermagier setzt auf Reduktion: Einige Podeste (Bühne: Tom Schenk), Tücher, Kerzen, Statisten, die wie im japanischen Theater teilweise mit Kugeln jonglieren, genügen ihm. Obwohl es der Handlung, die von der Verkündigung des Zacharias und der Jungfrau Maria durch Gabriel, von der Geburt und dem Beschneidungsfest Johannes des Täufers erzählt, an Dramatik mangelt, hätte man sich einen ideenreicheren Zugang erwartet, als oratorienhafte Statik sowie Videos von Heiligenfiguren und Ausschnitten aus der Stiftskirche Ossiach. Helmuth Christian
Der Standard
Esoterisches Gruppenerlebnis
Kirchenoper-Uraufführung beim Carinthischen Sommer
"Die Geburt des hl. Johannes des Täufers, erzählt vom Evangelisten Lukas und gesungen von ..." Diese einleitenden Worte der vom Carinthischen Sommer in Auftrag gegebenen Kirchenoper manifestieren die Problematik einer Komposition, die dem Genre Oper kaum entspricht. Dabei kann die Musik des finnischen Komponisten Jyrki Linjama nach einigen anfänglichen Lähmungserscheinungen durchaus mit Facettenreichtum und dynamischen Kontrasten gefallen. Der musikalische Satz erweist sich nicht sonderlich originell, Einflüsse unterschiedlichster Strömungen werden aber gekonnt zu einer abgerundeten Einheit geformt. Das "Libretto" jedoch, arrangiert vom Komponisten, von Matti Kontio und Jussi Tapola nach Originaltexten der Luther'schen Bibelübersetzung, erweist sich leider als frömmelnde Endloslitanei, die dem Geschehen nicht das Geringste an dramatischer Steigerung angedeihen lässt. Yoshi Oida, der in Paris lebende japanische Regisseur und langjährige künstlerische Weggefährte Peter Brooks, versucht inhaltliche Leeren mit (wenig überzeugender) Jonglierkunst zu füllen. Sein Ansinnen, die Statik des Ablaufs mit an Osterprozessionen erinnernde Podesten zu mildern, auf denen statuengleich die Sänger durch die Kirche geschoben werden, verliert sich in der dauernden Wiederholung. Videoprojektionen suggerieren zumindest teilweise das Vorhandensein einer tatsächlichen Bühne, die sich vor dem Altar auf ein schlichtes Holzgerüst reduziert. Über jeden Zweifel erhaben agiert ein Solistenensemble, das mit bewundernswerter Konzentration schwierigste gesangstechnische Hürden meistert. Ursula Langmayr (Maria) verkörpert einen höhensicheren, wandlungsfähigen Sopran. Susannah Haberfeld überzeugt in der Rolle der Elisabeth. Der Tenor Daniel Johannsen (Gabriel) verblüfft in allen Lagen mit großer Sicherheit.Daniel Schmutzhard (Zacharias) setzt seinen Bariton eindringlich in Szene. Die Mitglieder der Wiener Kammerphilharmonie unter Claudius Traunfellner bringen die Partitur professionell zu Gehör. Zum esoterischen Gruppenerlebnis trägt schließlich ein mit brennenden Kerzen beglücktes Ossiacher Auditorium bei. Bernhard Bayer
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