Helmut Jasbar copyright Klaus Frisch (zur freien Verwendung für Print- und Online-Medien unter Nennung des Copyrights)
Helmut Jasbar
Johanna Orsini-Rosenberg & Tamara Friebel copyright Angela Christlieb (zur freien Verwendung für Print- und Online-Medien unter Nennung des Copyrights)
Johanna Orsini-Rosenberg & Tamara Friebel
„Time stands still with gazing on her face,
Stand still and gaze for minutes, hours, and years to give her place. All other things shall change, but she remains the same, Till heavens changed have their course and time hath lost his name.“ (John Dowland)

 

„Zeit steht still, schau ich ihr ins Gesicht,
Steh’ still und schau, Minuten, Stunden und Jahre, sie weicht nicht. Alle anderen Dinge mögen sich wandeln, sie bleibt immer gleich, bis sich auch der Planeten Bahn sich ändert und Zeit wird nicht mehr Zeit genannt.“
Manchmal wird ein einziges Lied zur Keimzelle eines ganzen Romans. Wenn der junge schwarze Sänger Jonah in Richard Powers Time of our Singing im alten Konzertsaal der Duke-Universität in der Endrunde eines landesweiten Gesangswettbewerbs John Dowlands bekanntes Lied anstimmt, dann entwickelt sich daraus eine weitgespannte Erzählung über Musik, die Zeit und den Rassenkonflikt in den USA. Ein Impuls, der eine Flut der Erinnerungen auszulösen im Stande ist. Erinnerungen, die in der Erzählung geformt werden, wie Zeit in Musik.
Die Festivalsaison 2019 steht unter dem Motto Die Zeit reist, einem Zitat aus Shakespeares Komödie Wie es Euch gefällt. Der Präsenz des Vergangenen in der Gegenwart spüren vielfältige Konzerte nach: Die australische Performancekünstlerin und Komponistin Tamara Friebel und die Künstlerfamilie Orsini-Rosenberg widmen dem Shakespeare-Motto einen lazy summer afternoon mit Uraufführungen und Barockmusik auf Schloss Damtschach.
Der Gitarrist, Komponist und beliebte Ö1-Radiomoderator Helmut Jasbar gestaltet mit drei Ensembles eine Jazzkonzertreihe, für die er sich von John Dowlands Time stands still und Tom Waits Time inspirieren ließ. Jazz, Kammermusik und Improvisation werden zu einem eigenständigen Sound gemixt, mit sich wandelnden Motiven: In The Dowland Séance geht Jasbar gemeinsam mit der sensiblen Drummerin Judith Schwarz und dem genialischen Drehleierspezialisten Matthias Loibner, beide beim Carinthischen Sommer bestens bekannt, auf Spurensuche in der englischen Renaissance. Mit Donauwellenreiter und der Ladinischen Sängerin Maria Craffonara geht es weiter, eines der aufregendsten und kompromisslosesten Ensembles des Melting Pot Wien.
Abschließend machen sich Helmut Jasbar, Judith Schwarz, Kontrabassist Maximilian Ölz mit dem entdeckungsfreudigen Adamas Quartett auf die Crossover-Reise: Time Travels… Das Konzert kreist, mehr noch als die vorangegangenen, einerseits um die Melancholie des Vergehens, Vergangenheit und Zukunft werden verkörpert durch die Tradition des Streichquartetts und die noch immer in Evolution begriffene Gitarre und andererseits um das Erinnerungsvermögen des Menschen, das sich an Dingen festmacht, die es nicht mehr gibt.
Ein Fingerschnipsen, ein vollendeter Augenblick oder das Gefühl, ein Jahr sei vergangen wie ein Hauch: Musik vergeht in der Zeit, gestaltet Zeit und erzählt von Zeiten – Stillstand ist nie. Entdecken Sie Gegenwärtiges, Erinnerungen und Zeitspuren im Festival Carinthischer Sommer 2019.

 

Do 11.7.2019 / 20 Uhr