250 Jahre Beethoven
Die Musikwelt feiert in diesem Jahr den 250. Geburtstag eines der größten musikalischen Genies. Ludwig van Beethoven, der wohl meistgespielte klassische Komponist, inspiriert Generationen von Künstlern bis heute, befeuert Ideen und Kompositionen, schüchtert ein durch sein überragendes Vorbild – oder seine Omnipräsenz löst bisweilen Überdruss aus. Was macht diesen Künstler so unvergleichlich? Was können wir in seinem Werk Neues entdecken?
Wir eröffnen den Carinthischen Sommer mit der ersten Sinfonie Beethovens, die in ihrer Frische ganz zu den jugendlichen Musikern des Wiener Jeunesse Orchesters passt. Mit ihr begann Beethoven einen neuen Abschnitt in Wien als unabhängiger Künstler im Jahr 1800. Der junge, enthusiastische und damals als rasant modern wahrgenommene Komponist steht hier noch vor den persönlichen Krisen und Abgründen: dem kompletten Verlust des Gehörs, der unerfüllten Lieben, der großen Einsamkeit. Kontrastierend dazu hören Sie ein lustvoll-ironisches Werk des Niederländers Louis Andriessen, der sich über den 200-Jahr-Rummel zum Geburtstag des Klassikers mit viel Kunstverstand lustig macht, ganz im Sinne seiner Zeit, der Nach-68er-Jahre, die ihrerseits schon historisch geworden ist.
Beethoven war von früher Jugend an von den Idealen der französischen Revolution begeistert: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit waren die Schlagworte, in denen er sein Selbstverständnis wiederfand. Humanität und Freiheit der Künste waren für ihn unteilbar, in einer Zeit, in der dies beileibe noch kein Allgemeingut war. In den Werken Schillers und Goethes fand er diese idealtypisch wieder. Sie prägten seine Ästhetik, mit der Vorstellung, durch die Kunst die Menschen und die Gesellschaft zum Besseren zu verändern. Wohl keines seiner Werke drückt diesen Geist so deutlich aus wie die neunte Sinfonie, mit der wir in diesem Sommer das Festival abschließen werden. Der Freuden- taumel in Schillers Ode An die Freude wurde zur Europahymne und erklang nach dem Fall der Mauer und des Eisernen Vorhangs am Brandenburger Tor in Berlin, wo Leonard Bernstein sie umtextete zur Freiheitshymne. Unter der Leitung von Thomas Fheodoroff erklingt die Neunte Beethovens gemeinsam mit einem äußerst selten gespielten Werk des Jubilars, Meeresstille und gückliche Fahrt, auf zwei Gedichte Goethes. Freuen Sie sich also auf gleich zwei Chor-Oden, in denen sich Beethovens intensive Auseinandersetzung mit dem philosophischen Gehalt der Texte erkennen lässt.
Nicht vergessen wollen wir den Kosmos der Kammermusik Beethovens. Das eloquente junge Trio um Emmanuel Tjeknavorian bringt eines der herrlichsten Werke der Trio- literatur: das Erzherzog Rudolf in Freundschaft gewidmete B-Dur-Trio op. 97 und stellt dies in den Zusammenhang mit Trios von Haydn und Brahms. Das Selini Quartet Wien spielt Beethovens Streichquartett f-Moll op. 95, von dem der Komponist meinte es sei: Written for a small circle of connoisseurs and […] never to be performed in public.
Zeitlebens beschäftigte sich Beethoven mit der Weiterentwicklung der Klaviermusik. Sein Sonatenwerk machte das Klavier erst zu dem verbindlichen Instrument für die persönlichsten Äußerungen in der Kunst, wie es für das gesamte 19. Jahrhundert geltend wurde.
Fr 10.7.2020 / 19.30 Uhr